Überspringen zu Hauptinhalt

Er bändigt auch Salz

Er Bändigt Auch Salz

Ein Portrait von unserem Bundesbruder Wolfang Röhrig.

Sein Erfolg ist harter Arbeit zu verdanken. Aber auch der Zufall spielte in seinem Leben eine Rolle, findet Wolfgang Röhrig. Freimütig sagt er: „Ich wusste relativ lange nicht, was ich in meinem Leben machen will.“ Eine Zeit lang hatte er vor, Musiker zu werden. Doch nun ist der große Mann mit den rotblonden Haaren Chef und Besitzer eines 153 Jahre alten Unternehmens, das modernste Technik produziert. Und in seinem Fach sogar Weltmarkt- Führer ist.

Wolfgang Röhrig wuchs in einem Dorf an der Grenze des Saarlandes zu Rheinland-Pfalz auf, in den mehr als 400 Meter hohen Hunsrück-Ausläufern mit kalten Wintern, häufigem Regen – dafür aber großen Freiheiten für Kinder. Sie hatten in den 60er-Jahren viel Auslauf und wenig Aufsicht. „Ich war mit meinen Freunden viel im Wald“, erinnert sich der heutige Unternehmer. Der Großvater war Stahlarbeiter und Nebenerwerbslandwirt. Im Elternhaus lebten drei Generationen. Wolfgang Röhrigs Vater war Lehrer und Organist. Der kleine Wolfgang setzte sich ebenfalls an die Orgel und lernte außerdem Klavierspielen. „Nach dem Abitur in Birkenfeld wollte ich eigentlich Musik studieren. Doch erst einmal musste ich zur Bundeswehr – 15 Monate bei den Fluss-Pionieren in Neuwied.“ Das war eine gute Zeit, erinnert er sich. Die Truppe baute mobile Brücken. „Wir schipperten über Flüsse und Kanäle bis zur Ostsee.“ Da merkte Wolfgang Röhrig, dass er sich auch für Technik interessiert.

Schon während der Schulzeit und dem Wehrdienst kellnerte er in einer Hotel-Disco am Bostalstausee. Er lernte dabei Stars wie Jürgen Drews, Frank Farian und die Sängerin Nicole („Ein bisschen Frieden“) kennen, deren Schwester seine Klassenkameradin war. Schließlich schrieb er sich in Bingen für den Diplom Studiengang in Verfahrenstechnik ein. Nach dem Examen gab ihm ein Armaturen Hersteller in Düsseldorf Arbeit. „Ich war froh darüber, denn ich wollte gerne am Rhein bleiben und leben. Und damals drängten viele junge Ingenieure auf einen Markt, der sie gar nicht alle aufnehmen konnte.“ Wolfgang Röhrig wurde Projektleiter für den Bau von Flüssiggas-Terminals in Asien. „Ich wohnte in den besten Hotels. Es war aber auch anstrengend. Unsere Geschäftspartner in Japan, Singapur, China und Süd-Korea wollten jeden Abend ausgehen und Whisky trinken. Ich musste mit – dabei mag ich eigentlich keinen Whisky.“ Tagsüber über- wachte Röhrig dann in schwülheißem Klima den Einbau der Klappen und Ventile aus Düsseldorf auf den 60 Meter hohen Gastanks. Zehn Jahre ging das so – dann kam eine Anfrage aus Altenstadt. Im Gewerbegebiet Waldsiedlung hatten 1992 die Traditionsfirmen Ohl aus Limburg und Gutermuth aus Frankfurt ihr Industriearmaturen-Geschäft fusioniert. Wolfgang Röhrig wurde 1999 Verkaufsleiter für Durchfluss- und Absperrsysteme, die in Kraftwerken, Raffinerien, aber auch in großen Schiffen gebraucht werden. Sechs Monate nach seinem Dienstantritt kamen der Firma der Geschäftsführer abhanden. Der Vorstand der Holding bat Röhrig, die Leitung zu übernehmen. „Ich sagte, das kann ich nicht. Ich habe keine Betriebswirtschaft studiert. Aber der Vorstand meinte: Wir helfen ihnen.“ So war Röhrig mit 37 Jahren plötzlich CEO – Chef Executive Officer – einer weltweit agierenden Firma mit 35Arbeitnehmern und 5 Mio. Euro Jahresumsatz.

„Die Jahre bis 2002 waren sehr hart. Denn die Muttergesellschaft war klamm und die Lieferanten wollten vor Lieferung bezahlt werden. Wir bekamen kein Geld von den Banken und mussten von der Hand in den Mund leben. Aber es war auch eine gute Lehrzeit für mich.“ Die Holding ging in die Insolvenz und Ohl Gutermuth als abhängige Tochtergesellschaft musste mit ins Verfahren. Doch man arbeitete engagiert weiter und mit Wolfgang Röhrigs Fachkenntnisse und Kommunikationstalent kamen immer mehr Aufträge ins Haus. Ende 2004 wurde eine Auffanggesellschaft gegründet, an der sich Röhrig beteiligte. 2005 kaufte er alle Anteile. Das insolvenzverfahren der Altgesellschaft zog sich lange hin: Aber wir haben alle gläubiger zu 100 Prozent ausbezahlt – mitsamt der Zinsen.“ Darauf ist Wolfgang Röhrig stolz.

Inzwischen zählt sein Unternehmen 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einen auf 28 Mio. Euro gewachsenen Jahresumsatz. „Wir haben eine recht hohe Eigenkapitalquote und bekommen bei Bedarf Kredite, weil wir ein gutes Rating haben. Denn unsere Armaturen sind für eine moderne Industriegesellschaft überlebenswichtig.“ Armaturen – das sind regulierbare Ventile, Drossel- und Absperrklappen für Stahlwerke, Raffinerien, Chemie- und Zellstofffabriken, Solar- und Erdgasanlagen. Gerade Erdgas muss von seinem Schwefelanteil getrennt werden, bevor es in die Haushalte strömt. Denn die aggressive Chemikalie würde die empfindliche Technik stören. Bei der Gasentschwefelung ist Ohl Gutermuth Marktführer für wichtige Teile.

Bundesbruder Röhrig im Portrait

WOLFGANG RÖHRIG
geboren am 6. Februar 1963 in Birkenfeld,
Alleininhaber und Geschäftsführer der Ohlgutermuth Industrial Valves GmbH in Altenstadt
Wolfgang Röhrig hat eine Tochter und lebt in Aschaffenburg.

Die in Altenstadt gebauten Armaturen für Gase, Flüssigkeiten und Feststoffe haben Durchmesser von wenigen Zentimetern bis zu vier Metern. Manche von ihnen sind dreifach exzentrisch gelagert, andere haben beheizbare Ummantelungen, damit klebrige Materialien die Durchlässe nicht verstopfen. Viele Werkstücke bestehen aus Edelstahl. Oder gar aus dem teurem Titan, das Wolfgang Röhrig in Russland einkauft und in die gewünschte Form gießen lässt. Sie sind so exakt gefertigt, dass sie keine Dichtungen aus weicheren Stopfen brauchen. Die Ingenieure und Facharbeiter bauen auf speziellen Kundenwunsch auch Einzelstücke. „Es gibt hunderte verschiedene Arten von Armaturen. Manche müssen einen Betriebsdruck von 200 bar aushalten, andere Temperaturen zwischen minus 196 und plus 1300 Grad.“ Weil viele Armaturen tonnenschwer sind und Platz brauchen, ließ der Chef im Jahr 2013 eine neue Montagehalle an der Helmershäuser Straße in der Waldsiedlung bauen. Die Kräne darin können bis zu 15 Tonnen schwere Teile zwölf Meter über den Boden heben.

Neuerdings gibt die Solarthermie dem 1867 gegründeten Unternehmen Aufschwung. Riesige Spiegelanlagen werden in sonnigen Landstrichen gebaut. Ohl Gutermuth fertigte für das weltgrößte Solarkraftwerk in Marokko spezielle Klappen und Ventile, momentan wird in Dubai ein noch größeres gebaut. „Da werden 3000 Spiegel mit jeweils 100 Quadratmetern Fläche der Sonne nachgeführt. Sie werfen das Licht auf einen Turm, in dem Salz verflüssigt und auf 850 Grad erwärmt wird. Dieses Salz kann Energie gut speichern, ist aber ein aggressives Material, für das man robuste Armaturen braucht.“ In diesem Geschäftsfeld haben sich Wolfgang Röhrig und seine Belegschaft inzwischen unentbehrlich gemacht. Die jüngsten Turbulenzen der Weltkonjunktur spüren sie zwar auch, weil der Anlagenbau vom Auf und Ab der Ölpreise beeinflusst wird. Aber grundsätzlich bewegt sich Ohl Gutermuth in einer Zukunftsbranche stets auf dem neuesten Stand der Technik. Der Chef sagt: „Wichtig ist für unsere Firma, genug qualifizierte Leute zu finden. Das ist aber nicht einfach.“ So lädt der Unternehmer bei Aktionstagen auch mal Schüler ein, in der Hoffnung, künftige Auszubildende mit Talent für technische Lösungen zu finden.

Wie schafft man es mental, mit dem Termindruck und der großen Verantwortung fertig zu werden? „Ich kann abends ganz gut abschalten“, antwortet der Unternehmer. „Dabei hilft es mir, dass ich gelernt habe, Geschäftliches und Privates gut zu trennen. Nur jemand, der glücklich und zufrieden ist, kann dies auch ausstrahlen und an sein Umfeld weitergeben.“

An den Anfang scrollen